Vom Bittergetränk zum Wiener Genuss
Die Legende besagt, dass der erste Kaffee den Wienern schlichtweg zu bitter war. Die heute so typische Wiener Note entstand erst durch eine simple, aber geniale Idee: Die Zugabe von Milch und Zucker. Damit war der Siegeszug der Melange nicht mehr aufzuhalten.
Die Philosophie der Langsamkeit
Wer als Tourist nach „dem einen“ Kaffeehaus sucht, wird schnell verstehen: Es ist kein Laden, es ist eine Weltanschauung. Ein echtes Wiener Kaffeehaus erkennt man an drei Dingen:
- Die Auswahl: Dutzende Kaffeevariationen – vom Einspänner bis zum Fiaker.
- Die Lektüre: Ein gut sortierter Zeitungsständer mit Tageszeitungen und Illustrierten ist Pflicht.
- Die Zeit: Hektik ist hier ein Fremdwort. Wer eine Melange bestellt, erwirbt damit das Recht, stundenlang zu sitzen und zu lesen.
„Das Kaffeehaus ist ein Ort für Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen.“ – Alfred Polgar
Kleines Einmaleins der Wiener Kaffeespezialitäten
Wer einfach nur „einen Kaffee“ bestellt, outet sich sofort als Tourist. Damit dir das nicht passiert, hier die wichtigsten Klassiker:
| Spezialität | Was ist drin? |
|---|---|
| Wiener Melange | Ein verlängerter Mokka mit warmer Milch und Milchschaumhaube. |
| Einspänner | Schwarzer Kaffee im Glas mit einer dicken Schlagobershaube (Sahne). |
| Kleiner Brauner | Ein einfacher Mokka mit einem kleinen Kännchen Obers (Sahne). |
| Verlängerter | Ein Mokka, der mit der gleichen Menge heißem Wasser gestreckt wird. |
Ein Spiegel der Geschichte: Von Literaten und Lebenskünstlern
Das Kaffeehaus war nie nur ein Gastronomiebetrieb, sondern das „erweiterte Wohnzimmer“ der Intellektuellen und Literaten:
- Die Klassik: Um die Jahrhundertwende debattierten Arthur Schnitzler und Hugo von Hofmannsthal im legendären Café Griensteidl.
- Die Intellektuellen: In den 20er Jahren waren Karl Kraus und Friedrich Torberg Stammgäste im Café Central.
- Die Renaissance: In den 60ern erlebte die Kultur eine Wiedergeburt. Im Café Hawelka trafen sich Größen wie Helmut Qualtinger und Ernst Jandl – ein Ort, dem Georg Danzer später ein musikalisches Denkmal setzte.
on-TOPIC Travel-Tipp
Wenn du das echte Wien abseits der großen Touristenströme suchst, meide die Cafés direkt am Stephansplatz. Suche die kleineren, charakterstarken Eckcafés in den Bezirken 2 bis 9. Dort, wo der Ober noch „Grant“ (schlechte Laune) hat und der Marmortisch eine Geschichte erzählt.